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Buch des Monats - Archiv

 

Alex Schulman „Die Überlebenden“

Einband: gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum: 20.08.2021
Verlag: dtv
Seitenzahl: 304
Maße (L/B/H): 21,1/13,5/2,6 cm
Übersetzer: Hanna Granz

vorgest. v. Claudia Engelmann


Die drei Brüder Benjamin, Pierre und Nils, die sich in den letzten Jahren fremd geworden sind, machen sich auf die Reise in das Sommerhaus ihrer Kindheit, um die Asche ihrer gerade verstorbenen Mutter zu verstreuen, so wie sie es sich gewünscht hat. Dabei erinnern sie sich an diese für alle so prägende Zeit, an die Schmerzen und Verluste, aber auch an den Zusammenhalt und das Vertrauen und warum sie heute kaum noch etwas miteinander zu tun haben. So tauchen alle drei wieder ein in die damalige Welt, als ihre Eltern schon mittags zu trinken begann, woraus schnell eine Spirale aus Vernachlässigung, Bevorzugung und Konkurrenz entstand. Alle drei kämpften immer wieder um die Liebe der Mutter, die sich oft völlig irrational und unberechenbar verhielt. Es gibt zwar keinen Ich-Erzähler, aber Benjamin ist derjenige, in dessen Gedankenwelt wir eintauchen und dessen Sichtweise wir erleben. Und entdecken dabei ein verstörendes Familiendrama und ein literarisches Meisterwerk aufgrund des Schreibstils: kühl, nüchtern, präzise, sezierend, intensiv. Und die Art des Erzählens ist unerwartet herausfordernd, denn sie geschieht auf zwei Zeitebenen, eine davon rückwärts erzählt. Was aber dem Lesefluss überhaupt keinen Abbruch tut, im Gegenteil, denn die Geschichte erscheint so noch eindringlicher.

Dieser Roman wurde in Schweden gefeiert und war wochenlang auf der dortigen Bestsellerliste, und wie ich finde: absolut verdient!

Es ist ein stilles aber umso erschütternderes Buch, das einem wirklich nah geht, man ist in dieser fast abgeschlossenen Welt und fühlt den Schmerz und lebt mit den Figuren. Eins der beeindruckendsten Bücher seit langer Zeit und eine dringende Leseempfehlung!!!

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Steffen Kopetzki: Propaganda / Monschau

Rowohlt Taschenbuch 27647. Hamburg 2021. 489 S.

vorgest. v. Marie-Luise Lindenlaub



Steffen Kopetzki: Propaganda.

John Glück ist amerikanischer Soldat und als Offizier im 2. Weltkrieg in der propagandischen Kriegsführung in Europa eingesetzt. Seine Vorfahren sind Deutsche, bei ihm zu Hause wird deutsch gesprochen. Bei seinem Einsatz in Frankreich trifft er auf Hemingway, Salinger und Charles Bukowski, dessen Familie aus Andernach stammt. Nach seinem Einsatz in Frankreich gerät er in Deutschland in der Eifel in die große Schlacht im Hürtgenwald. Hier trifft er auf den deutschen Arzt Stüttgen, der alle Soldaten, gleich welcher Hautfarbe und Nationalität, behandelt.

Nach dem 2. Weltkrieg geht es für die Amerikaner und John Glück in Vietnam weiter....

Während Stüttgen auf die Einhaltung des Rechts besteht, um die Humanität zu verteidigen, wird John Glück in einem Akt zivilen Ungehorsams geltendes Recht brechen mit dem gleichen Ziel..

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Steffen Kopetzki: Monschau.

Im Jahr 1962 brechen in Monschau in der Eifel in den Rither-Werken die Pocken aus. Facharzt für diese Epidemie ist Dr. Stüttgen, den der Leser / die Leserin bereits aus dem Roman „Propaganda“ kennt. Er setzt in Monschau den jungen Assistenzarzt griechischer Herkunft Dr. Nikos Spyridakis als Werksarzt ein, damit er sich ausschließlich um die Pocken kümmert. Die eigentliche Erbin der Rither-Werke ist Vera, die aber in Paris Kunst studiert und überhaupt kein Interesse an dem Werk hat. Vera und Nikos lernen sich kennen, und eine vorsichtige Annäherung beginnt.

Neben der persönlichen Ebene führt der Autor den Leser/die Leserin in die BRD von 1962: Anschläge der algerischen Befreiungsbewegung in Paris, Folgen des Auschwitzprozesses, der Mauerbau, Kennedys Politik, Grand Prix...Und dann taucht auch noch ein Journalist der Zeitschrift „Quick“ auf, in dem man den Autor Johannes Mario Simmel erkennt.

Einige Nazis aus „Propaganda“ führen in den Rither-Werken ein unbehelligtes, aber sattes Leben. Auch John Glück ist wieder mit dabei, weil er Stüttgens Hilfe braucht.

Beide Romane sind spannend, unterhaltsam, informativ und breit zu empfehlen.

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Marente de Moor: „Phon“

Hanser Verlag, Preis: 23,99 €

vorgest. v. Sabine Schmidt



Marente de Moor ist die Tochter der berühmten niederländischen Schriftstellerin Margriet de Moor. Schon Ihre Großmutter väterlicherseits war Schriftstellerin und gewiss ist es nicht ganz leicht mit diesem „Erbe“ selbst schriftstellerisch tätig zu sein. Doch die 1972 in Den Haag geborene, studierte Slawistin und Journalistin beweist mit ihren Romanen, dass sie einen ganz eigenen Ton, einen eigenen literarischen Stil gefunden hat, mit dem sie mich in ihrem neuen Roman „Phon“ restlos begeistert hat. Lange habe ich nichts mehr gelesen, das mich sprachlich und atmosphärisch so in den Bann gezogen hat. Dabei wirkt diese Geschichte düster, manchmal etwas sperrig, etwas Bedrohliches schwingt im Unterton mit und sehr viel wird der Phantasie der Leser*innen überlassen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz.

Erzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive Nadjas, die sich noch blutjung in ihren 20 Jahre älteren Dozenten Lew verliebt und sehr schnell von ihm schwanger wird. Lew ist Zoologe und gemeinsam mit der schwangeren Nadja beschließt er, in die Wildnis Russlands zu ziehen, um mit und in der Natur zu leben. Dort errichten die beiden ein Labor und ein Camp für ausländische Touristen und Studenten (die sie heimlich die „Euroschickis‘“nennen), in dem sie die Natur und besonders auch Bären beobachten können. Doch das alles liegt nun viele Jahre zurück. Das Labor ist zerstört und in weiten Teilen von der Natur zurückerobert, das Camp wurde von den Behörden geschlossen. Das nächstgelegene Dorf ist verlassen, und der letzte Nachbar schon lange verschwunden. Lew und Nadja leben von dem, was sie selber anbauen, und ab und an schaut ihr Sohn Dimitri vorbei und versorgt sie mit dem Wichtigsten. Nadja ist zutiefst verbittert und von der Liebe zwischen ihr und dem scheinbar verwirrten Lew gibt es keine Spur mehr. Doch beide hören immer wieder ein Geräusch, das klingt, als „würde Gott mit Möbeln rücken“. Diese Geräusche und die Tatsache, dass Esther, eine junge Niederländerin, die das Camp vor Jahren besuchte und scheinbar ein Verhältnis mit Lew hatte, wieder Kontakt zu Lew und Nadja sucht, zwingen Nadja über das Jahr nachzudenken, an das sie sich lieber nicht erinnern möchte…

„Phon“ ist eine Spurensuche nach dem, was in diesem Jahr tatsächlich geschah oder auch nicht. Wo ist Nadjas und Lews Tochter Vera? Was ist mit Nadjas langjähriger Freundin Lydia passiert? Was hat Esther mit all dem zu tun? Ist am Ende gar nicht Lew, sondern Nadja verwirrt?

Marente de Moor lässt uns im Ungewissen, lässt uns ahnen, was passiert sein könnte oder auch eben nicht und gewährt uns einen kurzen Blick in das uns ferne, aber nicht immer unverständliche Land. Ihre Sprache ist stark und hart, wie die Wildnis und das Leben, das Lew und Nadja teilen mussten nach dem Jahr, an das Nadja sich lieber nicht erinnern möchte und doch auch voller Poesie und starker Bilder, die beim Lesen entstehen.

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Anselm Oelze: Wallace

Dav Verl. 2019. Der Roman erschien 2019 bei Schöffling & Co.

vorgest. v. Claudia Engelmann

Ungekürzte Lesung mit Robert Stadlober und Wolfram Koch (6 CDs)

In diesem Monat mache ich mich, nicht wie gewohnt für eine Buch-Neuerscheinung, sondern für ein In diesem Monat mache ich mich, nicht wie gewohnt für eine Buch-Neuerscheinung, sondern für ein Hörbuch stark, dem ich viele offene Ohren wünsche, denn diese gelesene Geschichte ist einfach unglaublich, mitreißend, klug, sinnlich und tiefgründig.

Anselm Oelze, geboren 1986 in Erfurt, studierte Philosophie, Politikwissenschaft und Philosophical Theology in Freiburg und Oxford. Nach seiner Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin forschte und lehrte er an der Universität Helsinki und an der LMU München.

Er stellt sich und uns die Frage, was wäre, wenn nicht Darwin der Vater der Evolutionstheorie gewesen wäre, sondern ein gewisser Wallace? Diesem philosophischen Fragespiel stellt sich der Autor auf raffinierte Art und Weise, in dem er zwei Leben miteinander verbindet und verknüpft und diese auf wunderbar farbenprächtig-überbordende Art erzählt.

Da ist natürlich zum einen der neugierige, vertrauensselige und etwas naive Naturforscher Alfred Rusell Wallace, der im brasilianischen Regenwald alle möglichen Tiere, Pflanzen und Lebewesen, Arten eben, sammelt. Und dabei eine revolutionäre Entdeckung macht...

Zum anderen lernen wir im Hier und Jetzt Albrecht Bromberg kennen, einen zurückgezogenen, ziemlich verschrobenen einsamen Mann, der als Nachtwächter im Naturkundemuseum arbeitet. Hier stolpert er im wahrsten Sinn über Wallace und kann ihn und die Geschichte seines Scheiterns nicht mehr “loslassen”, so dass er einen, sagen wir mal, unkonventionellen und überraschenden Plan fasst.

Ein großartiges, bemerkenswertes Buch und bei Erscheinen 2019 das Debüt dieses ungewöhnlichen Autors, mittlerweile auch als Taschenbuch erhältlich. Und wie gesagt als Hörbuch uneingeschränkt empfehlenswert, gelesen von Robert Stadlober und Wolfram Koch – da will man einfach nur still sein und lauschen!!!

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Schubert, Helga: Vom Aufstehen.

Ein Leben in Geschichten. DTV 2021. 222 S.

vorgest. v. Marie-Luise Lindenlaub

Ein Jahrhundertleben – verwandelt in Literatur. Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schubert ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. In kurzen Episoden erzählt Helga Schubert ein deutsches Jahrhundertleben – ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Als Kind lebt sie zwischen Heimaten, steht als Erwachsene mehr als zehn Jahre unter Beobachtung der Stasi und ist bei ihrer ersten freien Wahl fast fünfzig Jahre alt. Doch vor allem ist es die Geschichte einer Versöhnung: mit einem Leben voller Widerstände und sich selbst.

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Marente De Moor: ‚Phon‘.

Hanser Verlag

vorgest. v. Sabine Schmidt

Marente De Moor ist die Tochter der berühmten niederländischen Schriftstellerin Margriet De Moor. Schon Ihre Großmutter väterlicherseits war Schriftstellerin und gewiss ist es nicht ganz leicht mit diesem „Erbe“ selbst schriftstellerisch tätig zu sein. Doch die 1972 in Den Haag geborene, studierte Slawistin und Journalistin beweist mit ihren Romanen, dass sie einen ganz eigenen Ton, einen eigenen literarischen Stil gefunden hat, mit dem sie mich in ihrem neuen Roman ‚Phon‘ restlos begeistert hat. Lange habe ich nichts mehr gelesen, das mich sprachlich und atmosphärisch so in den Bann gezogen hat. Dabei wirkt diese Geschichte düster, manchmal etwas sperrig, etwas Bedrohliches schwingt im Unterton mit und sehr viel wird der Phantasie der Leser*innen überlassen. Doch genau darin liegt auch der besondere Reiz.

Erzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive Nadjas. Nadja, die sich noch blutjung in ihren 20 Jahre älteren Dozenten Lew verliebt und sehr schnell von ihm schwanger wird. Lew ist Zoologe und gemeinsam mit der schwangeren Nadja beschließt er, in die Wildnis Russlands zu ziehen, um mit und in der Natur zu leben. Dort errichten die beiden ein Labor und ein Camp für ausländische Touristen und Studenten ( die sie heimlich die ‚Euroschickis‘ nennen), in dem sie die Natur und besonders auch Bären beobachten können. Doch das alles liegt nun viele Jahre zurück. Das Labor ist zerstört und in weiten Teilen von der Natur zurückerobert, das Camp wurde von den Behörden geschlossen. Das nächstgelegene Dorf ist verlassen und der letzte Nachbar schon lange verschwunden. Lew und Nadja leben von dem, was sie selber anbauen und ab und an schaut ihr Sohn Dimitri vorbei und versorgt sie mit dem Wichtigsten. Nadja ist zutiefst verbittert und von der Liebe zwischen ihr und dem scheinbar verwirrten Lew gibt es keine Spur mehr. Doch beide hören immer wieder ein Geräusch, das klingt, als ‚würde Gott mit Möbeln rücken‘. Diese Geräusche und die Tatsache, dass Esther, eine junge Niederländerin, die das Camp vor Jahren besuchte und scheinbar ein Verhältnis mit Lew hatte, wieder Kontakt zu Lew und Nadja sucht, zwingen Nadja über das Jahr nachzudenken, an das sie sich lieber nicht erinnern möchte…

‚Phon‘ ist eine Spurensuche nach dem, was in diesem Jahr tatsächlich geschah oder auch nicht. Wo ist Nadjas und Lews Tochter Vera? Was ist mit Nadjas langjähriger Freundin Lydia passiert? Was hat Esther mit all dem zu tun? Ist am Ende gar nicht Lew, sondern Nadja verwirrt? Marente De Moor lässt uns im Ungewissen, lässt uns ahnen, was passiert sein könnte oder auch eben nicht und gewährt uns einen kurzen Blick in das uns ferne, aber nicht immer unverständliche Land. Ihre Sprache ist stark und hart, wie die Wildnis und das Leben, das Lew und Nadja teilen mussten nach dem Jahr, an das Nadja sich lieber nicht erinnern möchte und doch auch voller Poesie und starker Bilder, die beim Lesen entstehen.

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Phillips, Julia: Das Verschwinden der Erde.

DTV 2021. 374 S.

vorgest. v. Claudia Engelmann

Die russische Halbinsel Kamtschatka – dieser ferne unbekannte Landstrich, Weltnaturerbe und geheimnisvolles mystisches Fleckchen Erde. Hierhin hat es die amerikanische Autorin Julia Phillips gezogen, die ein Jahr lang dort als Stipendiatin gelebt hat, eine Zeit, in der sie die Menschen dort kennen- und lieben gelernt hat. Entstanden ist daraus ein komplexer, atmosphärisch dichter und vielschichtiger Roman, der facettenreich ins Innere dieser Gesellschaft vordringt. Ein wirklich bemerkenswertes Debut.

Alles beginnt damit, dass zwei Mädchen, die russischen Schwestern Sofija und Aljona spurlos verschwinden. Was das mit den Menschen in den nächsten Monaten macht, erfährt der Leser nach und nach, denn immer wieder tauchen die beiden Schwestern und das Rätsel um ihr Verschwinden in den Geschichten auf und halten die Bevölkerung in Atem. Es sind Geschichten, fortlaufend nach Monaten gegliedert und wie ein roter Faden gesponnen, die von den Menschen dort berichten.

Da ist Rewmira, die zum zweiten Mal unter tragischen Umständen ihren Mann verliert, genau am gleichen Tag wie ihren ersten Mann. Da sind drei Freundinnen, die mittlerweile unterschiedliche Wege gehen und in einer Silvesternacht spüren, wie eng sie doch zusammengehören, da ist Ksjuscha, die mit ihrem Freund zelten geht und sich irgendwann während des Ausflugs fragt, warum nach der ersten großen Verliebtheit nichts mehr bleibt, da ist Walentina, die trotz Familie allein gelassen vor einer Krebs-OP steht und diesen Weg einsam und stoisch weiter geht. Es sind Geschichten von Frauen, die oft finanziell abhängig sind und doch eigentlich gehen wollen, raus aus dieser oft archaischen, männerdominierten Gesellschaft. So lernen wir eine fremde Welt am Ende der Welt kennen, in der neben den Russen ein Gemisch aus indigenen Völkern wie die Ewenen, Aleuten oder Tschuktschen leben, was natürlich für Konflikte sorgt.

Es endet, wie es beginnt, nämlich mit den verschwundenen Mädchen. Im letzten Kapitel, mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen, wird das Rätsel gelöst.

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Gorkow, Alexander: Die Kinder hören Pink Floyd.

Kiepenheuer & Witsch 2021. 192 S.

vorgest. v. Sabine Schmidt

Eine Kindheit in den 1970ern, eine Hommage an Pink Floyd, die Band, und eine Abrechnung mit Roger Waters. Erzählt aus Sicht eines 10jähr. Jungen in der niederrheinischen Provinz.
vorgest. Von Sabine Schmidt

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Bogdan, Isabel: Laufen.

Kiepenheuer & Witsch 2019. 199 S.

vorgest. v. Marie-Luise Lindenlaub

Nach einem schmerzlichen Verlust, der ihr den Boden unter den Füßen wegzieht, beginnt eine Frau zu laufen. Erst sehr kleine Strecken, dann weiter und länger...

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Haruf, Kent: Kostbare Tage.

Diogenes 2020. 352 S.

vorgest. v. Marie-Luise Lindenlaub

Kent Harufs Romane erzählen alle vom Leben in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. Alle Schicksale sind einfühlsam und behutsam erzählt, ohne ins Kitschige abzugleiten.

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Jean-Paul Dubois: „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“

Beteiligte: Mälzer, Nathalie ; Rüenauver, Uta

DTV

Warum knallen irgendwann bei Paul Hansen alle Sicherungen durch, so dass er ins Gefängnis kommt? Der Gewinner des Prix Goncourt 2019 Jean-Paul Dubois, dessen literarische Vorbilder ganz unfranzösisch John Updike und Philip Roth sind, erzählt uns warum, erzählt uns das ruhige und unruhige Leben Paul Hansens, erzählt uns von seiner bewegten Kindheit zwischen seinem Vater, einem dänischen Prediger und seiner französischen Mutter, einer Betreiberin eines Programmkinos und der Zerrissenheit zwischen den Eltern, die sich trennen. Paul bleibt bei seiner Mutter, die die wilden 68er-Jahre begeistert miterlebt, während Pauls Vater nach Kanada geht, um als Prediger in einer asbestverseuchten Arbeitersiedlung Trost zu spenden. Doch seine Mutter und ihre ungezügelte Daseinsfreude entsprechen nicht Pauls Vorstellung vom Leben, und er geht nach Kanada zu seinem Vater, wo die Wiedersehensfreude aber getrübt und dann auch noch kurz ist. Nach vielen kleinen Jobs als Handwerker findet er dann endlich das, was sei Leben wird und worin er aufgeht: Hausmeister einer exklusiven Wohnanlage. Er lernt seine zukünftige Frau Winona kennen und lieben, die Hündin Nouk vervollständigt das private Glück. Alles läuft wunderbar, er ist zur Ruhe gekommen, es klingt schon fast ein bisschen langweilig. Doch dann passiert eben etwas Unerhörtes, und er findet sich im Gefängnis wieder, zusammen in der Zelle mit einem Hells-Angels-Biker namens Patrick, der eine panische Angst vor Mäusen und Ratten und vor dem Haareschneiden hat. Kann das gut gehen?

Lesen Sie selbst und stellen Sie sich die Frage: was ist ein glückliches Leben, was macht es aus und wo ist der Kipppunkt? Leise, klug, unaufgeregt und doch auch sprachgewaltig nähert sich Dubois diesem Thema und entfaltet die Geschichte eines Menschenfreundes, der sich selbst treu bleibt.

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Anne Weber: „Annette, ein Heldinnenepos“, Verlag Matthes und Seitz, 22,- Euro

vorgest. v. Marie-Luise lindenlaub

Der diesjährige Deutsche Buchpreis ging an Anne Webers „Annette, ein Heldinnenepos“. Ein Heldinnenepos? War nicht eine Idee hinter dem Deutschen Buchpreis, neben der Etablierung eines hochrangigen Literaturpreises für den deutschsprachigen Raum, auch jene, einen Roman auszuzeichnen, welcher Literatur einem breiten Publikum näherbringt? Kann das mit einem Heldinnenepos gelingen? Ich war sehr skeptisch und durfte mich - sehr deutlich - eines Besseren belehren lassen.

Anne Weber, die 1964 in Offenbach am Main geboren wurde und seit 1983 in Paris lebt, hat schon zahlreiche Geschichten und Romane auf Deutsch und Französisch veröffentlicht. In „Annette, ein Heldinnenepos“ greift sie die Lebensgeschichte Anne Beaumanoirs auf. Anne, genannt Annette, wurde 1923 in der Bretagne geboren. Sie wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und schon in jungen Jahren bekam sie Kontakt zu den Trotzkisten. Gemeinsam mit ihrer Mutter engagierte sie sich in einem Solidaritätskomitee und trat im Alter von 19 Jahren in die kommunistische Partei Frankreichs ein. Während des 2. Weltkrieges studierte sie Medizin und wurde Teil der Résistance. In dieser Zeit rettete sie zwei jüdischen Kindern das Leben, welche daraufhin längere Zeit von Annettes Eltern versteckt wurden. Ende der 50er Jahre setzte sich Annette für die nationale algerische Befreiungsfront ein, die gegen die Kolonialherrschaft Frankreichs kämpfte. Doch ihr Engagement hatte zur Folge, dass sie in Frankreich als Terroristin verurteilt wurde. Ihr gelang die Flucht aus ihrer Heimat über Italien nach Tunis, doch der Preis dafür war hoch: Sie musste ihre drei Kinder in Frankreich zurücklassen. Nach ihrer politisch aktiven Zeit in Tunis leitete sie bis zum Renteneintritt die Neurophysiologie einer Klinik in Genf.

Noch heute engagiert sich Anne Beaumanoir für Freiheit und Gerechtigkeit, erzählt in Schulklassen davon, was es bedeutet „widerständisch“ zu sein und sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Fanatismus einzusetzen.

Anne Weber nähert sich dieser französischen Freiheitsikone auf besondere Weise an. Sie kommt ihr nahe, ohne sie zu entblößen und zwar in einer eigenwilligen, aber auch sehr besonderen Sprache und literarischen Form. Das ist nicht nur ganz große Erzählkunst, sondern zugleich ein Denkmal zu Lebzeiten für Anne Beaumanoir. Ein starkes, sehr gut lesbares Buch über eine starke, eine mutige Frau.

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Maar, Paul: Wie alles kam.

Roman meiner Kindheit.
Fischer 2020. 304 S.

vorgest. v. Marie-Luise lindenlaub

Hier hat Paul Maar seine ganz persönliche Geschichte zu Papier gebracht. Mit dabei das Sams, Herr Taschenbier und die Eisenbahnoma.

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Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt

Autor:Wolff, Iris
Titel:Die Unschärfe der Welt
Erschienen: Klett-Cotta, 2020. - 216 S.

vorgest. von Claudia Engelmann

Iris Wolff erzählt die bewegte Geschichte einer Familie aus dem Banat, deren Bande so eng geknüpft sind, dass sie selbst über Grenzen hinweg nicht zerreißen. Ein Roman über Menschen aus vier Generationen, der auf berückend poetische Weise Verlust und Neuanfang miteinander in Beziehung setzt. Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In "Die Unschärfe der Welt" verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben. Kunstvoll und höchst präzise lotet Iris Wolff die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und Erinnerung aus - und von jenen Bildern, die sich andere von uns machen. - Ernst-Habermann-Preis 2014 - Literaturpreis ALPHA 2018 - Otto-Stoessl-Preis 2018 - Thaddäus-Troll-Preis 2019 - Alfred-Döblin-Preis 2019 (Shortlist) - Marieluise-Fleißer-Preis 2019 "Iris Wolff erzählt aus einer tiefen Ruhe heraus. Sie weitet dadurch die Zeit. Für ein Jahrhundert und etliche Menschenleben braucht sie nicht einmal zweihundert Seiten. Und nichts fehlt." Carsten Hueck, SWR2

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McConaghy, Charlotte: Zugvögel

aus dem Englischen von Tanja Handels

Erschienen: Deutsche Erstausgabe - Frankfurt am Main : S. Fischer, 2020. - 398 Seiten - 21 cm

vorgest. von Sabine Schmidt

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.

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Anna Burns: Milchmann

aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll

Erschienen: Stuttgart : Tropen, 2020. - 452 Seiten

vorgest. von Sabine Schmidt

»Der Tag, an dem Irgendwer McIrgendwas mir eine Waffe auf die Brust setzte, mich ein Flittchen nannte und drohte, mich zu erschießen, war auch der Tag, an dem der Milchmann starb.« Mit Milchmann legte Anna Burns das literarische Großereignis des vergangenen Jahres vor. Ein Roman über den unerschrockenen Kampf einer jungen Frau um ein selbstbestimmtes Leben – weltweit gefeiert und ausgezeichnet mit dem Man Booker Prize.

Eine junge Frau zieht ungewollt die Aufmerksamkeit eines mächtigen und erschreckend älteren Mannes auf sich, Milchmann. Es ist das Letzte, was sie will. Hier, in dieser namenlosen Stadt, erweckt man besser niemandes Interesse. Und so versucht sie, alle in ihrem Umfeld über ihre Begegnungen mit dem Mann im Unklaren zu lassen. Doch Milchmann ist hartnäckig. Und als der Mann ihrer älteren Schwester herausfindet, in welcher Klemme sie steckt, fangen die Leute an zu reden. Plötzlich gilt sie als »interessant« – etwas, das sie immer vermeiden wollte. Hier ist es gefährlich, interessant zu sein.

Doch was kann sie noch tun, nun, da das Gerücht einmal in der Welt ist? Milchmann ist die Geschichte einer jungen Frau, die nach einem Weg für sich sucht – in einer Gesellschaft, die sich ihre eigenen dunklen Wahrheiten erfindet und in der jeglicher Fehltritt enorme Konsequenzen nach sich zieht.

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Dirk Kurbjuweit: Haarmann

Erschienen: 1. Auflage - München : Penguin Verlag, 2020. - 316 Seiten - 22 cm

vorgest. von Sabine Schmidt

Der spektakulärste Kriminalfall Deutschlands - psychologisch raffiniert und extrem fesselnd.

Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald schreckliche Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, selbst von allen guten Geistern verlassen, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann.

Dirk Kurbjuweit inszeniert den spektakulärsten Serienmord der deutschen Kriminalgeschichte psychologisch raffiniert und extrem fesselnd. Eindringlich ergründet er die dunkle Seite der wilden 1920er-Jahre, zeigt ein Zeitalter der traumatisierten Seelen, der politischen Verrohung, der massenhaften Prostitution. So wird aus dem pathologischen Einzelfall ein historisches Lehrstück über menschliche Abgründe.

Dirk Kurbjuweit, geboren 1962 in Wiesbaden, zählt zu den vielseitigsten und produktivsten Autoren unserer Gegenwart. Als Zeit- und Spiegel-Reporter einer breiten Leserschaft bekannt, überzeugte er schon früh als Erzähler. Nach dem Debüt »Die Einsamkeit der Krokodile« (1995) wurden besonders die Novelle »Zweier ohne« (2001) und der Roman »Angst« (2013) von der Kritik gefeiert. Etliche seiner literarischen Erfolge dienten als Vorlage für Verfilmungen, Theaterstücke und Hörspiele.

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Ironmonger, John: Der Wal und das Ende der Welt

Autor: J. W. Ironmonger ; aus dem Englischen von Tobias Schnettler und Maria Poets

Titel: Der Wal und das Ende der Welt

Erschienen: Frankfurt am Main : S. Fischer, 2019. - 476 Seiten - 21 cm

Der SPIEGEL-Bestseller in der FISCHER TaschenBibliothek.

Das Buch der Stunde, das uns Hoffnung macht.

Ein kleines Dorf. Eine Epidemie und eine globale Krise. Und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.

Erst wird ein junger Mann angespült, und dann strandet der Wal. Die dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran spüren sofort: Hier beginnt etwas Sonderbares. Doch keiner ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Welt, in der wir leben? Was brauchen wir, um uns aufgehoben zu fühlen? Und was würdest du tun, wenn alles auf dem Spiel steht?

Ironmonger erzählt […] mit viel Sachwissen und Fantasie vom fröhlichen Kampf eines Fischerdorfs gegen den Kollaps unserer Zivilisation. Abenteuerlich, beunruhigend, ergreifend.

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Die Bagage

Autor: Monika Helfer

Titel: Die Bagage

Erschienen: 1. Auflage - München : Carl Hanser Verlag, 2020. - 158 Seiten - 21 cm

„Von uns wird man noch lange reden.“ Monika Helfers neuer Roman „Die Bagage“ – eine berührende Geschichte von Herkunft und Familie

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft.

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