"Jahres- mitglieder- versammlung 2020"

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Presse-Echo 2015

 

Korbach. Die Einladung von Autoren, deren Weitsicht durchaus Widerspruch herausfordern kann, aber auf jeden Fall den Dialog und die Toleranz fördert, gehört beim Korbacher „Lesebändchen“ zur guten Tradition.

Darf man die Politik Israels kritisieren? Lassen sich Antisemitismus und Israel-Kritik auseinanderhalten? Wie sieht es mit der besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel aus? Wie könnte ein gerechter Frieden in Nahost gestaltet werden?

Die ehemalige Büchereileiterin Marie-Luise Lindenlaub hat den Verein 2007 gegründet. Der Vorstand trifft sich etwa siebenmal im Jahr mit Leiterin Maren Heynck, um Aktivitäten rund um die Bücherei zu planen und durchzuführen. Natürlich geht es auch um die Finanzierung der Veranstaltungen und der Neuanschaffungen.

Mit der 90-jährigen Esther Bejarano, Auschwitz-Überlebende, Vollblutsängerin und „Powerfrau“ ohnegleichen, wurde in der vollbesetzten Vöhler Synagoge eine musikalisch literarische Ausnahmeveranstaltung geboten.

VÖHL. „Wenn wir nicht aufstehen gegen das Schweigen, dann wird das Schweigen uns irgendwann selber erschlagen“, sagt Kutlu Yurtseven von der Kölner Hip-Hop-Band „Microphone Mafia“, ehe er Bertolt Brechts Ballade von der ]udenhure Marie Sanders anstimmt.

KORBACH. Ihre Band Microphone Mafia steht für Rap und Jugendlichkeit. Sie soll Publikum anziehen und die Lesung auflockern.

Korbach. Der Verein „Lesebändchen“ hat seinen Vorstand bestätigt: Vorsitzender Ingo Hoppmann, Kassiererin Monika Barowsky, Schriftführerin Sybille Hoppmann sowie die Beisitzerinnen Agnes Schmid-Balogh und Tanja Kroppen beginnen die nächsten zwei Jahre im Vorstand.

 

Die Weltsicht eines 'antizionistischen Juden'

Quelle: WLZ vom 25.06.2015.

Artikel im PDF-Format

VON ARMIN HENNIG

Korbach. Die Einladung von Autoren, deren Weitsicht durchaus Widerspruch herausfordern kann, aber auf jeden Fall den Dialog und die Toleranz fördert, gehört beim Korbacher „Lesebändchen“ zur guten Tradition. Auf Anregung von Ingo Hoppmann kam der Publizist und Verleger Abraham Melzer in die Stadtbücherei und nahm im Verlauf von zwei Stunden ebenso zu seiner Kritik an der politischen Praxis Israels wie zu seiner Dauerfehde mit dem als Islamkritiker zu neuer Popularität gekommenen Polemiker Henryk M. Broder Stellung.

Bei der Vorstellung seines neuen Essaybandes „Merkel erwache, Israel vor Gericht“, der die Entwicklung der letzten Jahre kritisch kommentiert, ging der „ antizionistische Jude“ ebenso mit der Stillstands-Agenda und Parteinahme in der Nahostpolitik der Bundesregierung ins Gericht wie mit dem seiner Ansicht nach grundlegend demokratiefeindlichen, wenn nicht gar rassistischen Selbstverständnis des Staates Israel, in dem der Begriff Hummismus zum Schimpfwort verkommen sei.

Mit dem Martin-Luther-Bezug „Ich stehe hier und kann nicht anders“ begann der in Israel aufgewachsene und seit 1958 in Deutschland lebende Publizist seine Kritik an der Staatsräson Israels und forderte eine Loslösung vom zionistischen Erbe, das zu einem Apartheidsstaat geführt habe, in dem die Menschenrechte keine Geltung hätten. „Israel ist keine Demokratie, sondern ein Militärregime, das sich bei der Verfolgung der Staatsziele über das Völkerrecht hinwegsetzt“, nahm Melzer Partei für die zum Opfer des Zionismus gewordenen Palästinenser.

Moralfreie Staatsräson

Bei seiner Darstellung der historischen Prozesse, die bislang jede friedliche Lösung verhindert hatten, ging er weit vor die Staatsgründung 1948 zurück. Neben Theodor Herzels Anstrengungen zur Gründung eines Judenstaates um die Jahrhundertwende hätten die Dreyfuß-Affäre (1893), die Balfour-Deklaration (1917) und vor allem die Machtübernahme in Deutschland durch die Nationalsozialisten und die Verfolgung der Juden die Auswanderung nach Palästina gefördert, ehe der Holocaust ein Heimatland für die Juden zur moralischen Verpflichtung für die Welt gemacht habe.

Als Beweis für die von ihm kritisierte moralfreie Staatsräson wies Melzer auf eine Gedenkmünze von 1936 hin, die ein Abkommen der Zionisten des späteren Staatsgründers Ben-Gurions mit dem „Dritten Reich“ feierte. Dieses gestattete den Juden die Ausreise nach Israel unter Mitnahme ihrer Vermögenswerte, während die Emigration in andere Länder nur unter Zurücklassung von Hab und Gut möglich gewesen sei.

Die Rettung aller Juden vor Verfolgung sei damals nicht der Anspruch gewesen. Die von den finanziell privilegierten Einwanderern mitgebrachten Vermögenswerte hätten bei Landkäufen vor der Unabhängigkeit 1948 eine große Rolle gespielt. Die Landverteilung durch die UN (52 zu 48 % zu Ungunsten der Palästinenser) habe trotzdem nicht dem damaligen Verhältnis der Einwohner entsprochen. Durch die Ausweitung Israels nach dem Sechstagekrieg und die Siedlungspraxis würden die Palästinenser, die selbst kein Land erwerben dürften, inzwischen  nur noch über neun Prozent des Lands verfügen, bei wachsenden Bevölkerungszahlen.

Aus Israel, dessen Bevölkerung im Alltag und bei jedem Einkauf einen hohen Preis für die kriegerische Politik zahlen müsse, habe indessen eine Auswanderungswelle eingesetzt, die sich auch in einer inzwischen auf 50 000 Köpfe angewachsenen Kolonie in Berlin mit eigener Zeitung äußern würde.

 „Wenn Israel keine 180°-Wendung in seiner Politik gegenüber den Palästinensern verfolgt, dann wird es ebenso untergehen wie 70 nach Christus“, lautete Melzers Fazit der weitergedachten Entwicklung. Im Hinblick auf die Samson-Mentalität und den Autismus der aktuellen Politiker befürchtet er ein Konfliktverhalten der Atommacht, das, keine Rücksicht auf ‚ das Wohlergehen der Nachbarn oder den Rest der Welt kenne.

Die zahlreichen eingestreuten Bonmots und Zuspitzungen aus den Essays, wie etwa eine aus lauter Volksgerichtshöfen bestehende Justiz mit lauter kleinen Freislers, zeichneten ein  krasses, aber keineswegs widerspruchsfreies Bild von Israel. Denn im nächsten Satz beklagte Melzer Bestrebungen der Netanjahu-Koalition, den Obersten Gerichtshof und damit die Gewaltenteilung gleich ganz abzuschaffen. Bei einer aus willigen Vollstreckern bestehenden Justiz wäre ein derartiger Schritt mit fataler Außenwirkung vollkommen überflüssig.

Palästina anerkennen

Allerdings mag die Widersprüchlichkeit unterschiedlichen Essays geschuldet sein. Bei seinen Empfehlungen an die Bundesregierung zur Gestaltung des Friedensprozesses lässt Melzer keine Grauzone zu. Der erste unabdingbare Schritt sei die staatliche Anerkennung Palästinas durch die Bundesrepublik, ein Schritt, den andere Mitglieder der EU bereits vollzogen hätten, sowie die Einstellung von Waffenlieferungen oder Schenkungen, wie zuletzt in Form von Atom-U-Booten geschehen. „Damit wäre ich schon zufrieden“, lautet sein Fazit.

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Der israelisch-palästinensische Konflikt: Ursachen und Lösungsmöglichkeiten

Quelle: WLZ vom 22.06.2015.

Abraham Melzer:

Der israelisch-palästinensische Konflikt: Ursachen und Lösungsmöglichkeiten

Darf man die Politik Israels kritisieren? Lassen sich Antisemitismus und Israel-Kritik auseinanderhalten? Wie sieht es mit der besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel aus? Wie könnte ein gerechter Frieden in Nahost gestaltet werden?

Zu diesen brisanten Fragen ist der Verleger, Autor und Publizist Abraham Melzer zu Gast in der Stadtbücherei Korbach.

Melzer wird zum Thema „Der israelisch-palästinensische Konflikt: Ursachen und Lösungsmöglichkeiten" referieren und anschließend Fragen beantworten. Melzer ist der breiten Öffentlichkeit insbesondere durch seine israelkritischen Aussagen bekannt geworden. 50 besteht eine seiner Thesen darin, dass Kritik an der Politik Israels nicht mit Antisemitismus gleichzusetzen sei.

Der 63-jährige Melzer ist selbst Jude, in Israel aufgewachsen und lebt seit 1958 in Deutschland, zunächst in Köln und seit 1967 in Frankfurt und Neu-lsenburg. Bis 2012 führte er den Joseph-Melzer-Verlag, den sein Vater gegründet hatte. Sein neuestes Buch, „Merkel erwache! Israel vor Gericht: Essays eines antizionistischen Juden“ (2015) setzt sich kritisch mit der deutschen Israel-Politik auseinander.

Die Politik Israels verurteilt er im Hinblick auf die Palästinenserfrage und hält nur eine friedliche Lösung, die das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser beinhaltet, für geeignet, um einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Region zu schaffen. Seine Thesen werden auf der Veranstaltung also reichlich Stoff zur Diskussion bieten.

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Gut für Stadtkultur und geistige Fitness

Quelle: WLZ am 03.06.2015.

Die ehemalige Büchereileiterin Marie-Luise Lindenlaub hat den Verein 2007 gegründet. Der Vorstand trifft sich etwa siebenmal im Jahr mit Leiterin Maren Heynck, um Aktivitäten rund um die Bücherei zu planen und durchzuführen. Natürlich geht es auch um die Finanzierung der Veranstaltungen und der Neuanschaffungen.

An Engagement mangelt es nicht. Der Verein hat zurzeit etwa 60 Mitglieder. Besonders aktiv ist der Vorstand mit Ingo Hoppmann, Agnes-Schmid-Balogh, Tanja Kroppen, Monika Barowsky und Sybille Hoppmann, ebenso die Vereinsgründerin und Lieselotte Snowdon sowie weitere Mitglieder, die sich als Lesepaten einsetzen.

Nachdenken

Doch was treibt sie alle an? „Uns motiviert, die Stadtbücherei als kulturellen Teil der Stadt Korbach zu fördern, aber auch die wichtige Leseförderung“, erklärt Ingo Hoppmann. Lesen sei nämlich nicht nur schön, sondern “erweitere auch den Horizont. „In der Belletristik muss man sich in die Romanfiguren und Handlungen hineinversetzen, bei Sachbüchem in Themen einarbeiten. Manche Bücher regen zum Nachdenken an, oft über die eigene Lebenssituation. Der wichtigste Aspekt hinsichtlich des Lesens ist aber die Bildung. So ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die viel lesen, besser in der Schule klarkommen. Daher gibt es auch Lesepaten oder auch die Aktion ‚Buchkind des Jahres’ in der Stadtbücherei, die gerade die Jüngsten zum Lesen anregen sollen“, so der Vereinsvorsitzende und betont: „Mit unseren Vorträgen und Lesungen wollen wir beispielsweise erreichen, dass mehr Menschen den Weg in die Bücherei finden und sich mit aktuellen Themen sowie Literatür auseinandersetzen.“

Nach dem Aufstellen und der Betreuung einer Büchertelefonzelle in Zusammenarbeit mit der Stadt Korbach ist bereits die nächste Aktion geplant: Am Montag, 22. Juni, findet eine Lesung mit anschließender Diskussion statt mit dem Autor Abraham Melzer zum Thema „Gerechter Frieden in Nahost“. Melzer ist ein streitbarer Vertreter Israels, aber gegen den Krieg in Palästina.

Auch regelmäßige Veranstaltungen bietet der Verein an: Lieselotte Snowdon und Marie-Luise Lindenlaub leiten zum Beispiel die Buchvorstellung „Bücher zur Teezeit“, die jeden dritten Donnerstag um 17 Uhr im Café Fundus beginnt.

Abschließend wirbt Ingo Hoppmann: „Bei uns sind alle Willkommen, die die Stadtbücherei unterstützen wollen und das Lesen wichtig finden.“

Der Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 15 Euro im Jahr. /ros


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„La Vita continue - Das Leben geht weiter“

Quelle: WLZ vom 02.06.2015.

Mit der 90-jährigen Esther Bejarano, Auschwitz-Überlebende, Vollblutsängerin und „Powerfrau“ ohnegleichen, wurde in der vollbesetzten Vöhler Synagoge eine musikalisch literarische Ausnahmeveranstaltung geboten.

VON SANDRA SIMSHÄUSER

Vöhl. Unfassbar, was diese Frau in ihrem Leben erleben und verarbeiten musste. Umso beeindruckender, mit welcher Kraft Esther Bejarano über die schlimmen Geschehnisse berichtet und dafür kämpft, dass sich Ähnliches nie mehr wiederholt

Durch eine Kampagne gegen rechte Gewalt war die resolute alte Dame vor sieben Jahren auf die Kölner „Microphone Mafia“ gestoßen. Mit Erinnerungsarbeit in modernisierter Form wollten die Rapper mit italienischen und türkischen Wurzeln speziell die junge Generation ansprechen. Gemeinsam mit Esther Bejarano und deren Sohn Joram am Bass erreichen sie seither noch mehr, nämlich mit mehrsprachigen Texten und einem musikalischen Crossover zwischen Klezmer und Rap generationsübergreifend gegen Fremdenhass und Vorurteile an zusingen. Bereits am Freitag war das ungewöhnliche Quartett vor Schülern der Alten Landesschule im Korbacher Bürgerhaus auf getreten.

„La vita continua — Das Leben geht weiter“ heißt das aktuelle Programm. In jeder Minute im Mittelpunkt steht dabei Esther Bejarano. Aufrecht, mit klarer Stimme und festem Blick, tanzend und singend, so bestritt die zierliche alte Dame das Konzert in der Vöhler Synagoge bis zur letzten Minute. Somit nicht überraschend erscholl der wiederholt stehende Applaus für sie und ein Projekt, das die wenigsten Zuhörer in dieser Form erwartet haben dürften. Zumal Esther Bejarano die Erklärung für den in jeder Hinsicht nicht zu überhörenden, im Klartext formulierten und obendrein teils wild gerappten Appell im ersten Teil der Konzertveranstaltung lieferte.

Gleich zu Beginn der vom Korbacher Verein „Lesebändchen“ angeregten und in Kooperation mit dem Förderverein Synagoge Vöhl durchgeführten Veranstaltung ließ Bejarano die Zuhörer am dunkelsten Kapitel ihres Lebens teilhaben. Die Musik war es, die ihr — als Jüdin und Mitglied des Mädchenorchesters — inmitten der Gräuel des Konzentrationslagers Auschwitz—Birkenau das Leben rettete. In Auszügen aus ihren 2013 erschienenen „Erinnerungen“, schilderte Esther Bejarano auch die Verlegung ins Lager Ravensbrück, die dort zu verrichtende Zwangsarbeit und schließlich ihre Begegnung mit den ersten amerikanischen und russischen Soldaten. „Das war mehr als eine Befreiung, das war meine zweite Geburt“, schloss die 90Jährige ihre bewegenden Aufzeichnungen.

Bewegend, wenn auch in ganz anderer Weise fiel der anschließende Konzertteil mit Sohn Joram und den Jungs der „Microphone Mafia“ aus. So viel Kraft es Esther Bejarano kosten mag, immer wieder über ihre Leidenszeit im Nationalsozialismus zu sprechen, scheinen ihre Energiereserven doch nahezu unbegrenzt zu sein. Von Hymnen des jüdischen Widerstands wie „Sage nie, du gehst den letzten Weg“ bis zur Zugabe „Wir leben trotzdem, wir sind da“ mischte sie die jiddischen Refrains mit fester Stimme schmetternd in der ersten Reihe mit. Auch und gerade dann, wenn „Microphone Mafia“ zu dröhnenden Bässen gegen Wegsehen, Schweigen und Vorurteile anrappte. Ein Banner mit der Aufschrift „Nie wieder Krieg“ hielten alle Mitwirkenden schließlich unter kollektivem Applaus in die Höhe und ließen die Freiheit mit „Viva la liberta“ hochleben.

„Genau das, was heute hier stattgefunden hat, war vor 16 Jahren einer der Gründe, warum wir dieses Gebäude übernommen und den Verein gegründet haben“, brachte Karl Heinz Stadtler zu guter Letzt seine Eindrücke aus Sicht des Fördervereins Synagoge Vöhl auf den Punkt.

 

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Rappen gegen Rassismus

VÖHL. „Wenn wir nicht aufstehen gegen das Schweigen, dann wird das Schweigen uns irgendwann selber erschlagen“, sagt Kutlu Yurtseven von der Kölner Hip-Hop-Band „Microphone Mafia“, ehe er Bertolt Brechts Ballade von der ]udenhure Marie Sanders anstimmt. Der scharfe Takt von Hans Eisler und flockige Rap-Fetzen reiben sich, auf der Bühne begegnen sich drei Generationen und drei Religionen, und sie ziehen eine musikalische Linie zwischen NS-Verbrechen, neuem Rassismus und Fremdenhass.

Mittendrin in der ausverkauften Vöhler Synagoge: die 90-jährige Esther Bejarano, die durch die Hölle von Auschwitz gegangen ist und nur dank ihrer Musikalität überlebte, indem sie Akkordeon spielen musste, während die anderen Mithäftlinge zur Gaskammer geführt wurden.

Sie erzählt davon ebenso erschütternd wie tags zuvor in Korbach vor Schülern (HNA berichtete), aber dann setzt sie ihren Bildern im Konzert musikalisch ein kraftvolles „Wir leben trotzdem!“ entgegen.

Die Lieder, die sie zusammen mit ihrem Sohn Joram Bejarano am E-Bass sowie den
HipHop-Musikern Rossi Pennino, und Kutlu Yurtseven vorträgt, handeln nicht nur von den Traumata der Nazi-Zeit, sondern auch vom Widerstand gegen den Krieg („Desateur“), von der Friedensbewegung („Schir LaShalom“) oder der, wie sie singt, „Sehnsucht nach Menschlichkeit“.

Dem alten Arbeiterlied „Avanti Popolo“ begegnen atmosphärisch-dichte Schilderungen von Gastarbeiteiter-Schicksalen, die die beiden Kölner Rossi und Kutlu aus ihrer Familiengeschichte beisteuern. Und sie zitieren dabei die „Höhner“: „Wann geht der Himmel auch für mich wieder auf?“

Nach den Anschlägen auf Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und Mölln, dann auf die Gastarbeiterfamilie in Solingen hatte die Gruppe „Microphone Mafia“ eigentlich gehofft: „In zehn Jahren müssen wir nicht mehr gegen Rassismus rappen!“

Dann aber kamen die Morde des NSU, das Versagen der Behörden, Fremdenfeindlichkeit in der Asylpolitik, wie Kutlu Yurtseven aufzählt, viele Gründe, gemeinsam mit der starken Kämpferin Esther Bejarano weiter aufzustehen „für Wahrheit und Freiheit“.

Es sei dem Korbacher Verein „Lesebändchen“ und dem Förderverein Synagoge in Vöhl ein gemeinsames Anliegen gewesen, mit solch einem Konzert an die Befreiung vom Hitler-Faschismus vor 70 Jahren zu erinnern, erklärten ihre Vorsitzenden Ingo Hoppmann und Karl-Heinz Stadtler, als sie Esther Bejarano und ihren Musikern dankten.

Das Publikum feierte die Künstler stehend und mit Beifallsstürmen.

 

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Nazis haben Angst vor ihr

Quelle: WLZ vom 30.05.2015.

KORBACH. Ihre Band Microphone Mafia steht für Rap und Jugendlichkeit. Sie soll Publikum anziehen und die Lesung auflockern. Doch auf die Musiker, die Esther Bejarano bei ihren Auftritten begleiten, mussten die Korbacher Schüler am Freitag im Bürgerhaus lange warten. Die Band kam zu spät und spielte erst nach der Lesung. Umso eindrucksvoller wirkte die 90jährige Bejarano alleine auf der Bühne. Der Zuhöhner fragte sich, wozu es da noch Musik bedarf. Die im Geist jung gebliebene Frau las das Publikum in ihren Bann. Ulm, Auschwitz, Palästina und Hamburg zählen zu den Stationen in ihrem Leben, das geprägt ist von Verlusten, Trauer und traumatisierenden Erlebnissen. Trotzdem sagt sie, hatte sie Glück. Sie hat den Holocaust überlebt. Sie sah, wie sich amerikanische und russische Soldaten 1945 in die Arme schlossen, wie ein Bild Hitlers öffentlich verbrannt wurde und die Menschen ringsherum tanzten. "Das war nicht nur meine Befreiung, es war meine zweite Geburt." Der Weg dorthin war schrecklich, sagt sie. „Aber ich muss erzählen. was ich erlebt habe, damit die Menschen hören, wie schrecklich es war.“

Tausende Schüler habe sie schon erreicht, und_ sie will weiter gegen Fremdenfeindlichkeit ankämpfen, indem sie erzählt, was im Dritten Reich mit den ]uden pusierte. „Das ist meine Rache“. sagt sie.

Die Familie wollte noch vor dem Zweiten Weltkrieg auswandern, doch die Bürgschaften waren zu teuer. Der Vater, ein „deutscher Patriot", wurde ebenso wie die Mutter von der SS erschossen. Auch ihre Schwestern verlor Bejarano durch die Nazis wegen ihrer jüdischen Abstammung. „Den Schmerz konnte ich nur schwer überwinden". erzählt die 90]ährige.

Die damals jugendliche Esther wurde mit anderen Häftlingen in stinkenden Viehwaggons Richtung Auschwitz transportiert. Viele Alte und Schwache starben dabei.“ Bei der Ankunft im KZ hieß es: ‚So, ihr Saujuden, jetzt werden wir euch mal zeigen. was Arbeit heißt.“ SS-Männer amüsierten sich. als Mädchen sich ausziehen mussten und ihre Haare geschoren Wurden. "Namen wurden abgeschafft. wir waren nur noch Nummern"

Die Nummer 41948 war Esther Bejarano eintätowiert. Die hat sie sich später in lsrael entfernen lassen. Zu sehr hatte sie sie belästigt, zu sehr hatte die Nummer anderen Menschen Anlass für dumme Bemerkungen gegeben.Das erzählt die 90-jährige auf Nachfrage eines Schülers.

Das Publikum hörte aufinerksam zu, als Bejarano berichte, wie sie in das Orchester des Konzentrationslagers aufgenommen wurde und welche Privilegien sie dadurch gegenüber anderen Häftlingen hatte, die nur "Brot und braunes Gesöff“ bekamen, zu zehnt in einer Koje schliefen und denen ständig der Tod drohte. Doch auch sie litt während der Monate im KZ. Ich kaufie mir einmal einen Pullover für einen Laib Brot, weil ich so schrecklich fror.“

Seit 53 Jahren lebt Esther Bejarano in Hamburg. Dort erlebte sie einmal einen NPD-Informationsstand und Polizisten, die die Rechten vor Demonstramm schützten. Das verstand sie nicht und sie entschloss sich, ihre Geschichte zu erzählen. Ob sie deshalb von Nazis belästigt werde, wollte ein Schüler wissen. Nein, Vielleicht haben sie Angst vor mir.“

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„Lesebändchen“ setzt Akzente"

Quelle: WLZ vom  29.05.2015.

Korbach. Der Verein „Lesebändchen“ hat seinen Vorstand bestätigt: Vorsitzender Ingo Hoppmann, Kassiererin Monika Barowsky, Schriftführerin Sybille Hoppmann sowie die Beisitzerinnen Agnes Schmid-Balogh und Tanja Kroppen beginnen die nächsten zwei Jahre im Vorstand.

Über die bisherige Arbeit zog Ingo Hoppmann in der Jahreshauptversammlung zufrieden Bilanz: „Nachdem wir in die großen Fußstapfen von Marie-Luise Lindenlaub getreten sind, ist es uns gelungen, neue Akzente zu setzen.“ Dabei hat der Verein politische Bücher in den Fokus genommen: Die Veranstaltungen mit Dr. Klaus J. Bade zum Thema Migration und dem Fernsehjournalisten Jörg Armbruster über den „Islamischen Staat“ und den Syrienkrieg seien große Erfolge gewesen.

Ziel des Vereins ist es, die Stadtbücherei in ihrer Arbeit zu unterstützen, Kinder und Erwachsene für das Lesen und die Kultur zu interessieren. Dazu finanziert der Verein Bücher und Lesungen, organisiert Veranstaltungen und kooperiert etwa mit der Alten Landesschule, dem Netzwerk für Toleranz und der Synagoge Vöhl. Marie-Luise Lindenlaub bietet weiterhin ihren Treff „Bücher zur Teezeit“ an.

Auf dem Programm steht heute der Besuch von Esther Bejarano, der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters in Auschwitz (12 Uhr Lesung mit Musik im Bürgerhaus). Im Juni folgt Abraham Melzer, der seine Version für einen gerechten Frieden in Israel darlegt. Zusammen mit der Stadt Korbach eröffnet das „Lesebändchen“ außerdem eine Bücher-Telefonzelle zum unkomplizierten Austausch von Lesestoff. (r)

 


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