"Bücher zur Teezeit"

Jeden dritten Donnerstag im Monat im Café Naschkatze, Flechtdorfer Str. 1, 16.30 Uhr.

Fällt aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres aus.

Wird ab 24. April vorläufig in Form von Online-Videos weitergeführt.

Mehr Informationen "Bücher zur Teezeit"

Ich bin eine Leseratte

Mach mit!!! Beim Sommerlese-Projekt der Stadtbücherei Korbach

Mehr Informationen

Erstklässler aufgepasst!

Meldet euch an und holt euch eure Überraschung!

Mehr Informationen

Die nächsten Termine

30. August 2020
Wie Kinder stark werden
16:30 Uhr, Freilichtbühne Korbach - Klappstuhllesung

 

Presse-Echo 2018

 

VÖHL. „Menschen leiden, doch es wird wieder weggeblickt“, singt Kutlu Yurtseven von der Kölner Band „Microphone Mafia“ auf der Bühne der Vöhler Synagoge in seinem türkischen Song „Insanlar“ (deutsch: Menschheit), und er rappt gegen Rassismus und neue Fremdenfeindlichkeit. „Wenn wir weiter schweigen, wird uns dieses Schweigen selber erschlagen!“

KORBACH/VÖHL. Die Musik rettete ihr Leben: Esther Bejarano spielte Akkordeon im Mädchenorchester in Auschwitz, ihr Leben verschonten die Nazis deshalb. Später flüchtete sie während eines Todesmarsches.

VÖHL/KORBACH. Im Gedenken an den 80. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 laden der Verein Lesebändchen aus Korbach und der Förderkreis Synagoge in Vöhl die Zeitzeugin Esther Bejarano am Donnerstag, 29. November, um 19 Uhr erneut in die Vöhler Synagoge ein.

KORBACH. Die Wirtschaft in Deutschland brummt, aber gleichzeitig gibt es immer mehr Armut im Land. Wie geht das zusammen? Professor Rudolf Hickel vertritt Thesen, die polarisieren. Den hochkarätigen Wirtschaftswissenschaftler hatte der Freundeskreis der Stadtbücherei zu einem Vortrag zum Thema „Armut - trotz Wirtschaftsboom“ ins Bürgerhaus eingeladen.

Der Widerspruch ist nicht zu übersehen: Einerseits wächst die Gesamtwirtschaft seit Jahren. Eine der wesentlichen Ursachen ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Korbach. Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin und Autorin, ist am 28. Mai zu Gast in Korbach. „Es ist kein Widerspruch, Deutsche und Muslimin zu sein!“

Bekannt ist sie durch viele Auftritte in Talkshows und ihre Bücher. So hat sie den „Koran für Kinder und Erwachsene“ in deutscher Sprache herausgegeben sowie das Sachbuch „Zum Töten bereit.

 

Rapp gegen neuen Rassismus

Quelle: WLZ vom 03.12.2018.

Von Karl-Hermann Völker

VÖHL. „Menschen leiden, doch es wird wieder weggeblickt“, singt Kutlu Yurtseven von der Kölner Band „Microphone Mafia“ auf der Bühne der Vöhler Synagoge in seinem türkischen Song „Insanlar“ (deutsch: Menschheit), und er rappt gegen Rassismus und neue Fremdenfeindlichkeit. „Wenn wir weiter schweigen, wird uns dieses Schweigen selber erschlagen!“

Die zierliche Frau neben ihm, 1,47 Meter groß, die in wenigen Tagen ihren 94. Geburtstag feiern wird, Esther Bejarano, swingt und singt kraftvoll mit, getragen von den wummernden Bassläufen ihres Sohnes Joram an der E-Gitarre. „Dass wir hier stehen und seit zehn Jahren gegen Unrecht und Hass ansingen, ist meine späte Rache an den Nazis“, sagt sie wenig später. Ihr Konzert in Vöhl ist besonders dem Gedenken an die Opfer der NS-Pogrome vor 80 Jahren gewidmet.

Der pomadige Filmschlager „Du hast Glück bei den Frau‘n, Bel Ami“ von 1939, gespielt auf einem geliehenen Akkordeon, hat ihr das Leben gerettet, als im Todeslager Ausschwitz im Juni 1943 weibliche Häftlinge für das „Mädchenorchester“ gesucht wurden. Auch dieses Lied singt sie in Vöhl mit unerschütterlicher Energie und so fröhlicher Distanz, dass schließlich das Publikum einzustimmen wagt. „Wir leben trotzdem! Wir sind da!“

Widerstand, Mut, Hoffnung, Kampf gegen neuen Faschismus - das sind die Themen, die Esther Bejarano in ihren Friedens-, Arbeiter- und Partisanenliedern anschlägt. Zu Beginn des Abends in der voll besetzten Vöhler Synagoge hat sie aus ihren „Erinnerungen“ gelesen, ihre Qualen geschildert, wenn sie Musik machen musste, während die Arbeitskolonnen aus dem Tor des Lagers Birkenau zogen. „Immer nur diese schrecklichen Märsche!“ Und sie schildert ihre wundersamen Rettungen als „Viertelarierin“ bis zur Befreiung 1945.

Kutlu Yurtseven und Joram Bejarano sind stolz auf die alte Dame. Sie kommt kaum dazu, zwischen den Songs am Pfefferminztee zu nippen, den ihr Anna Evers auf die Bühne gebracht hat. „Wie viele rappende Uromas gibt es sonst noch auf der Welt?“ fragt liebevoll Kutlu. Vor zwei Jahren War bei ihrem Auftritt in Vöhl noch ihr Bandfreund Rossi Pennino dabei, wesentlich jünger - aber ihm war das Touren zu anstrengend geworden.

Beim Schlusslied „Bella Ciao“, dem weltbekannten Partisanenlied aus Italien, singt das Publikum auf ihre Einladung hin mit. „Ich bewundere diese Stärke! Wir sind betroffen, mitgenommen“, gesteht Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis Synagoge Vöhl, als er Esther Bejarano zusammen mit Ingo Hoppmann vom mitveranstaltenden Verein „Lesebändchen“ der Stadtbücherei Korbach mit einem Blumenstrauß verabschiedet. Das Publikum feiert die drei Künstler mit stürmischem Beifall im Stehen. Esther Bejarano bleibt, ein wenig erschöpft, noch eine Weile auf der Bühne sitzen. Sie nimmt sich Zeit, beantwortet Fragen. Das ist ihr Anliegen.

Nach oben

 

'Dann hätten sie uns erschossen'

Quelle: WLZ vom 24.11.2018.

Von Julia Renner

KORBACH/VÖHL. Die Musik rettete ihr Leben: Esther Bejarano spielte Akkordeon im Mädchenorchester in Auschwitz, ihr Leben verschonten die Nazis deshalb. Später flüchtete sie während eines Todesmarsches. In der kommenden Woche wird die 93-jährige in Korbach und Vöhl von ihren Erlebnissen berichten - und mit der „Microphone Mafia“ rappen. Im Interview mit der WLZ erzählt sie, wieso sie trotz allem Glück hatte im Leben und wieso sie mit ihrer Familie in den 1960ern wieder nach Deutschland kam.


Frau Bejarano, Sie mussten in einem Arbeitslager schuften, ein Großteil Ihrer Familie wurde ermordet, Sie selbst wurden in die KZs Auschwitz und Ravensbrück gebracht. Dennoch haben Sie mal gesagt, Sie hätten Glück gehabt im Leben. Das müssen Sie mir erklären.

ESTHER BEJARANO: Natürlich habe ich Glück gehabt. Dass meine Eltern und meine Schwester ermordet wurden und ich nach Auschwitz kam, war schrecklich. Aber ich hatte Glück, weil ich in Auschwitz nicht mehr so schwere Arbeit machen musste. Vorher musste ich schwere Steine von einer Seite eines Feldes auf die andere schleppen und am nächsten Tag wieder zurück. Also eine völlig unsinnige Arbeit. Aber man wollte damit unsere Kraft rauben.


Und Sie hatten Glück, weil Sie dann im Mädchenorchester in Auschwitz spielen konnten.

BEJARANO: Ja, ich hatte die Möglichkeit, ins Mädchenorchester zu kommen. Es wurde nach Frauen gesucht, die Instrumente spielten. Ich hatte gesagt, dass ich Klavier spielen kann. Ein Klavier gab es dort allerdings nicht. Die Dirigentin, auch eine Gefangene, sagte mir, dass eine Akkordeonistin gebraucht wurde.

Ich habe gelegen und gesagt, dass ich auch Akkordeon spielen kann. Dabei konnte ich das gar nicht. Ich sollte dann den Schlager „Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami“ vorspielen und den kannte ich. Zur Dirigentin sagte ich, dass ich ewig nicht gespielt hätte und mich erst wieder reinfinden muss. Ich habe es dann ausprobiert und mir gesagt „Ich muss das können“. Und ich habe es hinbekommen.

Und das war ein Glücksfall, weil das sozusagen ihr Leben gerettet hat.

BEJARANO: Genau. Und der zweite Glücksfall war, dass man in Auschwitz nach Mischlingen gesucht hat. Frauen, die entweder christliche Mutter oder christlichen Vater hatten. Das Internationale Rote Kreuz hat sich dafür eingesetzt, dass Mischlinge aus Auschwitz heraus kommen. Die Nazis hatten ein Gesetz, in dem es hieß, dass Mischlinge nicht in einem Vernichtungslager sein dürfen. Das Internationale Kreuz hat sich darum gekümmert, dass wir aus dem Lager kamen. Wir wurden nach Ravensbrück gebracht, ein ganz schlimmes Frauenstraflager. Aber es war kein Vernichtungslager.

Hat es das Musizieren im Orchester erträglicher gemacht, in Auschwitz zu sein?

BEJARANO: Mit Musik hatte das wenig zu tun. Wir mussten Märsche spielen. Und wir mussten am Tor stehen und spielen, wenn die Arbeitskolonnen morgens zur Arbeit gingen und abends, wenn sie zurückkamen. Es war eine psychisch ganz schlimme Arbeit, auch weil wir ein schlechtes Gewissen hatten, weil wir dort standen und Musik machten.

Noch schlimmer war aber, dass wir am Tor stehen und spielen mussten, wenn neue Transporte ankamen. Auf besonderen Gleisen kamen die Züge an und diese Gleise führten direkt zur Gaskammer. Alle Menschen, die in den Zügen saßen, sind in die Gaskammer gegangen. Und wir mussten da stehen und spielen. Das war das Schlimmste, was ich erlebt habe. Man konnte nicht helfen‚ niemanden warnen. Wir haben mit Tränen in den Augen dort gestanden und wir konnten nicht aufhören zu spielen, weil hinter uns SS-Männer standen mit ihren Gewehren. Wenn wir aufgehört hätten zu spielen, dann hätten sie uns erschossen.

Sie haben das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte miterleben müssen. Trotzdem ist Deutschland seit ]ahrzehnten wieder ihr Zuhause. Andere Juden, die geflohen sind, würden nie wieder zurückkehren. Warum sind Sie mit Mann und Kindern wieder nach Deutschland gekommen?

BEJARANO: Ich habe 15 Jahre in Israel gelebt, aber mein Mann und ich konnten die schreckliche Politik dort nicht mehr ertragen. Wir waren nicht einverstanden damit, dass die Palästinenser so schlecht behandelt wurden. Ausschlaggebend war für uns aber, dass mein Mann nicht in den Krieg ziehen wollte, er war ein Pazifist. Es gab aber keine Kriegsdienstverweigerung. Wäre er nicht in den Krieg gezogen, wäre er im Gefängnis gelandet. Deshalb mussten wir raus aus Israel.

Ein Bruder von Ihnen war in den 1930ern In die USA gegangen. Hatten Sie versucht, ebenfalls dorthin zu kommen?

BEJARANO: Eben nicht, weil wir kein Geld hatten. Wenn man mit einer ganzen Familie auswandert, muss man viel Geld haben. Aber ich wurde in Deutschland geboren, bin deutschsprachig. Also kamen wir nach Deutschland. Aber ich hatte zur Bedingung gemacht, dass ich nicht in eine Stadt ziehen werde, in der ich mit meinen Eltern und meinen Geschwistern zusammen gelebt habe. Das hätte ich nicht ausgehalten.

Sie sind dann nach Hamburg gezogen. Haben Sie sich dort immer wohlgefühlt?

BEJARANO: Am Anfang überhaupt nicht, es war schwer, zurückzukommen. Ich wusste ja, Deutschland ist das Land der Täter. Ich konnte mit den Menschen in der ersten Zeit absolut nicht sprechen. Ich habe mich bei jedem gefragt „Was hat der im Krieg gemacht? Vielleicht ist er der Mörder meiner Schwester oder meiner Eltern“. Heute kann ich sagen, dass ich hier Zuhause bin. Aber ich kann nicht sagen, dass Deutschland meine Heimat ist. Heimat gibt es für mich nicht, weder in Israel noch in Deutschland.

Wie sehen Sie die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland und der Welt? Gerade mit Blick auf die AfD und Populisten wie Trump?

BEJARANO: Das finde ich ganz schlimm. Gerade in Deutschland dürfte es eigentlich nicht mehr sein. Man müsste aus der Vergangenheit gelernt haben, aber das ist nicht der Fall. Heute haben wir die AfD, die NPD und das sind alles rechtslastige Parteien.

Macht Ihnen diese Entwicklung Sorgen?

BEJARANO: Sehr große Sorgen. Ich sehe auch Parallelen zur damaligen Zeit.

Auch der Antisemitismus scheint wieder zu erstarken. Spüren Sie das auch?

BEJARANO: Natürlich. Es gab zwar keine Angriffe auf mich, aber ich sehe, was alles passiert. Aber es geht nicht nur um Antisemitismus, sondern allgemein um Rassismus. Ich kann das nicht begreifen, dass manche Menschen kein Herz haben und die Flüchtlinge ins Land lassen wollen. Das war damals das gleiche.

Sie sind viel unterwegs mit der „Microphone Mafia", aber auch, um aus Ihrer Autobiografie zu lesen. Wieso muten Sie sich das immer wieder zu, das Geschehene noch einmal zu durchleben?

BEJARANO: Das mache ich. Aber ich mache das, weil es ganz wichtig ist. Es ist wichtig, dass junge Menschen wissen, was damals passiert ist. Ich bin froh, dass ich das machen kann. Viele Schüler schreiben mir und bedanken sich bei mir.

Sie machen es gern und werden es wahrscheinlich weitermachen, so lange es möglich ist?

BEJARANO: So lange ich kann, so lange ich lebe.

Zur Person

ESTHER BEJARANO ist 93 Jahre alt. Geboren wurde sie in Saarlouis als Esther Loewy, kurz darauf zog die Familie nach Saarbrücken. Der Vater war Oberkantor in verschiedenen jüdischen Gemeinden. 1941 wurde sie in einem Zwangsarbeitslager interniert, im April 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Dort überlebte sie als Mitglied des Mädchenorchesters. Von Auschwitz wurde sie ins KZ Ravensbrück gebracht. Aufeinem der folgenden Todesmärsche konnte sie fliehen. Sie lebte in Israel, heiratete, bekam zwei Kinder und kam 1960 nach Deutschland. Sie ist ausgebildete Musikerin. (ren)

Hintergrund

Lesung, Erinnerungen und Rapmusik

Auf Initiative des Lesebändchens Korbach ist Esther Bejarano am Donnerstag, 29. November, zu Gast bei Schülern der Alten Landesschule und der Beruflichen Schulen Korbach. Am Abend spielt sie ab 19 Uhr mit der „Microphone Mafia“ in der Synagoge Vöhl. Die Gruppe singt und rappt gegen Gewalt. Die Musik - auf Deutsch und Jiddisch - wird ergänzt durch Lesebeiträge Esther Bejaranos.

Nach oben

 

Rappen gegen Rassismus

Quelle: WLZ vom 15.11.2018.

VÖHL/KORBACH. Im Gedenken an den 80. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 laden der Verein Lesebändchen aus Korbach und der Förderkreis Synagoge in Vöhl die Zeitzeugin Esther Bejarano am Donnerstag, 29. November, um 19 Uhr erneut in die Vöhler Synagoge ein.

”Die Veranstaltung, die vom Netzwerk für Toleranz unterstützt wird, soll ein Zeichen setzen gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Esther Bejarano, inzwischen fast 94Jahre alt, ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters Auschwitz. Sie hat Geschichte am eigenen Leib erlebt, hat den Schrecken des dritten Reichs mitsamt Aufenthalten in den Konzentrationslagern Auschwitz und Ravensbrück auf schmerzlichste Art und Weise spüren müssen. Seit Jahren tourt sie mit ihrem Sohn Joram und Musikern der Kölner „Microphone Mafia“ mit ihrem einzigartigen musikalischen Projekt durch Deutschland.

Drei Generationen lassen ihre kulturellen, menschlichen, musikalischen und persönlichen Ansichten und Gedanken verschmelzen und singen und rappen gegen Rassismus und Gewalt.

Sie singen Lieder in jiddischer Sprache, die in den Ghettos und KZs entstanden sind. Darin drückt sich Esther Bejaranos Herkunft, Geschichte und Selbstverständnis als Jüdin aus.

Und sie beschäftigen sich mit der Gegenwart: Mit Ausgrenzung, Rassismus, Gewalt und Krieg. Es ist ein ungewöhnliches künstlerisches Projekt, in dem musikalische Widersprüche harmonisch in Einklang gebracht werden.

Die Musik ergänzt die Lesungen aus Esther Bejaranos Autobiographie „Erinnerungen“ (Iaika Verlag, Hamburg). Dort erzählt sie, wie nachdem das Lager Ravensbrück Anfang 1943 aufgelöst wurde, alle Insassen ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden.

Gerettet durch Musik

„Ich bekam die Nummer 41948. Namen wurden abgeschafft, wir waren nur noch Nummern“, berichtet sie. Gerettet hat sie die Musik, denn sie wurde ins Mädchenorchester von Auschwitz aufgenommen, das jeden Tag die Kolonnen auf ihrem Weg zur Arbeit begleitete.

Was sie dort mit ansehen musste, wird sie ihr Leben lang nicht vergessen. Davon legt sie Zeugnis ab und kämpft gegen das Vergessen.

Informieren an Schulen

Vor ihrem Auftritt in Vöhl ist Esther Bejarano am 29. November vormittags auf Initiative des Lesebändchens Korbach zu Gast bei Schülern der Alten Landesschule und des Beruflichen Gymnasiums. Denen gibt sie mit auf den Weg: „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt.“ (r)

Nach oben

 

Armut trotz Wirtschaftsboom

Quelle: WLZ vom 25.09.2018.

Von Hans Peter Osterhold

KORBACH. Die Wirtschaft in Deutschland brummt, aber gleichzeitig gibt es immer mehr Armut im Land. Wie geht das zusammen? Professor Rudolf Hickel vertritt Thesen, die polarisieren. Den hochkarätigen Wirtschaftswissenschaftler hatte der Freundeskreis der Stadtbücherei zu einem Vortrag zum Thema „Armut - trotz Wirtschaftsboom“ ins Bürgerhaus eingeladen. Ein Single gilt als arm, wenn er ein Einkommen von weniger als 617 Euro netto im Monat hat, eine vierköpfige Familie bei weniger als 1978 bis 2355 Euro. Die oberen Einkommen haben sich auf ihrem Niveau gehalten oder gar verbessert. Zehn Prozent der Bevölkerung verfügt über 60 Prozent des gesamten Vermögens. Diese ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen ist laut Hickel eine Ursache für wachsende Armut.

Mittelschicht schrumpft

Die Unternehmensgewinne stiegen stärker als die Arbeitseinkommen. Zwar sinke die Arbeitslosigkeit, aber der Anteil des Niedriglohnsektors nehme parallel zu. Außerdem habe der Staat sozialstaatliche Sicherungssysteme abgebaut. Die Agenda 2010 fördere die soziale Spaltung und treibe Armut voran. Niedriglohnbeschäftigung, Erwerbsarmut und Altersarmut lasse die Mittelschicht schrumpfen, führte Hickel aus.

Die Riester-Rente sei zwar gut gemeint, treibe aber wieder in die Abhängigkeit von den Finanzmärkten. Das Modell des Neoliberalismus von „mehr Markt“ sei gescheitert und habe eher eine „völkische Renationalisierung“ mit abschottendem Wirtschaftsprotektionismus gefördert, sagt der Wissen$chaftler.

Die Vermögenskonzentration seit den 1980er-Jahren macht Hickel ebenfalls als einen wichtigen Grund für die Ungleichheit aus. „Übersparen“ bedeute: wandert in internationale Finanzmärkte auf der Suche nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten statt in Sachwerte vor Ort. Diese Finanzmärkte seien meist dereguliert und damit äußerst krisenanfällig. Die Krise des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus habe zu einer Erschütterung des Vertrauens in das Bankensystem geführt. Das Ganze löse mittlerweile soziale Ängste in der Bevölkerung aus, die Folge: Auch die Akzeptanz in das demokratische System leide, was aktuell in manchen Ausschreitungen zu beobachten sei.

Lohnquote steigern

Hickel sieht in mehr Regulierung der Finanz-, Arbeits-, Güter- und Dienstleistungsmärkte durch den Staat einen Lösungsansatz. „Die Banken sollen sich auf ihre eigentlichen Aufgaben besinnen“. Die Lohnquote müsse gesteigert werden, der Mindestlohn sei ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings seien die regionalen Unterschiede erheblich, in Leipzig reiche er aus, in München müsse er eigentlich 12,77 Euro betragen.

Hickel fordert den Abbau des Niedriglohnsektors, der durch Hartz IV vorangetrieben wurde und die Stärkung des bedarfsorientierten Sozialstaats, einen stärkeren Ausgleich zwischén Kapital und Arbeit. Mehr Abschöpfung des Staates, beispielsweise bei Spitzenverdienern oder großen Erbschaften, schaffe Raum für öffentliche Investitionen.

Demokratie in Gefahr

Hickels Vortrag kam in einer gut besuchten Veranstaltung gut an, eine etwas klarere Struktur und übersichtlichere “Präsentation hätten ihm dennoch gutgetan. In der anschließenden Diskussionsrunde ging es munter mit Fragen und Diskussionsbeiträgen hin und her. „Eigentlich müssten doch die Linken von der Situation profitieren“, stellte ein Zuhörer fest und wollte wissen, warum das nicht so ist. Eine Studie habe alle Krisen in den letzten 200 jahren untersucht und festgestellt, dass linke Bewegungen noch nie von Krisen profitierten, sagte Prof. Hickel.

Die „völkische Renationalisierung“ sei bis heute immer wieder der Nutznießer gewesen: „Ich habe aktuell große Befürchtungen um unsere Demokratie.“ Beim Thema Mindestlohn geht er sowieso mit, aber Lohn-Obergrenzen in börsennotierten Unternehmen würde er auch unterstützen.

Parteipolitisch wollte sich Hickel am Ende nicht festlegen und auch keine Ratschläge verteilen: „Was Sie bei Ihrer Wahlentscheidung aus Ihren Erkenntnissen machen, ist Ihre Sache“. (os)

Nach oben

 

Armut trotz Wirtschaftsboom

Quelle: WLZ vom 18.09.2018.

Prof. Dr. Rudolf Hickel,

geb. 1942 in Nürnberg; studierte Wirtschaftswissenschaft an der Universität Tübingen, ist seit 1974 Professor für Politische Ökonomie mit dem Schwerpunkt Öffentliche Finanzen und hat seit 1993 den Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen inne; er war dort aktiv am Aufbau der Universität sowie des Studiengangs Wirtschaftswissenschaft beteiligt. Seit 1975 war er Mitglied der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik”, die das Gegengutachten zum „Rat der fünf Weisen” herausgibt, von 2001 bis 2009 Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen und seit 2010 Forschungsleiter für "Wirtschaft und Finanzen" am Institut Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen.

Armut trotz Wirtschaftsboom - Warum die soziale Spaltung tiefer wird

Der Widerspruch ist nicht zu übersehen: Einerseits wächst die Gesamtwirtschaft seit Jahren. Eine der wesentlichen Ursachen ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Beschäftigung hat einen Höchststand erreicht. Die registrierte Arbeitslosigkeit ist deutlich zurückgegangen. Anderseits nimmt jedoch die soziale Ungleichheit zu. Dazu trägt auch die Zunahme prekärer Jobs bei. Die Ungleichheit der Einkommensverteilung, die auch in Deutschland seit 1995 bis 2005 deutlich angestiegen ist, ist deutlich niedriger als in den USA. Sie verweilt jedoch seit einigen Jahren auf einem viel zu hohen Niveau. Eine Quelle ist die Konzentration der Vermögen und den daraus gespeisten Einkommen. Diese soziale Ungleichheit ist ökonomisch schädlich und politisch hoch gefährlich. Studien der OECD zeigen, dass wirtschaftliche Wachstumsverluste die Folge sind. Auch in Deutschland hat die soziale Spaltung längst schon Einfluss auf das Wahlverhalten. Dabei sind es die Ängste vor dem künftigen Abstieg aus der Mittelschicht, die die gesellschaftliche Akzeptanz der Demokratie belasten.

Im Mittelpunkt des Vortrags steht der Versuch, ein Konzept zum Abbau der sozialen Ungerechtigkeit für Deutschland im EU-Kontext zu präsentierten. Dazu gehören Programme gegen Kinderarmut, die Stärkung der Bildungsteilhabe, der Abbau prekärer Arbeitsplätze durch Reregulierungen und Mindestlöhne, ein armutsvermeidendes, zukunftsfestes Rentensystem sowie eine Reform der Einkommensbesteuerung zusammen mit einer angemessenen Besteuerung der Vermögenstitel, vor allem der Erbschaft- und Schenkungssteuer sowie die Wiederbelebung einer Vermögensteuer.

Nach oben

 

Islam und Demokratie - ein Widerspruch?

Quelle: Eder-Diemel-Tipp vom 13.05.2018.

Korbach. Lamya Kaddor, Islamwissenschaftlerin und Autorin, ist am 28. Mai zu Gast in Korbach. „Es ist kein Widerspruch, Deutsche und Muslimin zu sein!“ Als Kämpferin für einen liberalen, aufgeklärten Islam und als Muslimin, die kein Kopftuch trägt, erhielt sie zahlreiche Preise und Ehrungen - ebenso wie Hassmails und Morddrohungen. Lamya Kaddor streitet für die zeitgemäße Auslegung des Korans sowie Geschlechtergerechtigkeit. Sie ist überzeugt, dass sich der aufgeklärte Islam und das Grundgesetz nicht ausschließen. Dies wird sie in ihrem Vortrag „Islam und Demokratie - ein Widerspruch?" darlegen.

Das Lesebändchen e.V., die Stadtbücherei Korbach und das Integrationscafé der DELTA Waldeck-Frankenberg freuen sich, Kaddor am Montag, 28. Mai, im Café Klatsch, Flechtdorfer Str. 13, um 18 Uhr begrüßen zu können. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Kartenvorverkauf in der Stadtbücherei.

Nach oben

 

Lamya Kaddor zu Gast im Café Klatsch

Quelle: WLZ vom 09.05.2018.

Bekannt ist sie durch viele Auftritte in Talkshows und ihre Bücher. So hat sie den „Koran für Kinder und Erwachsene“ in deutscher Sprache herausgegeben sowie das Sachbuch „Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen“. Das Lesebändchen, die Stadtbücherei und das Delta-Integrationscafé Waldeck-Frankenberg laden zu einer Veranstaltung mit Lamya Kaddor im Rahmen des Hessentages ein: am Montag, 28. Mai im Café Klatsch, Flechtdorfer Str. 13, um 18 Uhr. Eintritt: fünf Euro, ermäßigt drei Euro.

Nach oben


Powered by

G. Wagner, Korbach
Telefon 05631 5788884
e-Mail

© 2019 - 2020 by Lesebändchen Korbach e.V.

Professor-Kümmel-Str. 14, 34497 Korbach

e-Mail