Buch des Monats - April 2022

 

Auf der Straße heißen wir anders

AutorIn:  Laura Cwiertnia
Erscheinungsdatum: 00.00.0000
Verlag: Klett-Cotta
Seitenzahl: 237

Vorgestellt von Sabine Schmidt



Laura Cwiertnia, geboren 1987, Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter, ist stellvertretende Ressortleiterin bei der ZEIT. "Auf der Straße heißen wir anders" ist ihr Debütroman, welcher mich von Beginn an durch die Leichtigkeit begeistert hat, mit der sie erzählt, obgleich das Thema kein leichtes ist.

Karla, die Protagonistin dieses Familienromans ist, wie die Autorin auch, Tochter eines armenischen Vaters und einer deutschen Mutter. Sie wächst in Bremen Nord auf, und in der Schule, die sie besucht, kann der Klassenlehrer kaum einen Namen der Schülerinnen und Schüler richtig aussprechen, so viele Nationalitäten treffen in einem Klassenzimmer aufeinander. Doch im Gegensatz zu Karla wissen nahezu alle Kinder in ihrer Klasse um ihre Wurzeln, fahren in den Sommerferien nach Istanbul oder Rom, in die Heimat der Eltern oder Großeltern.

In Karlas Familie wird jedoch über ihre armenische Herkunft geschwiegen und so erfährt sie über den Genozid an den Armeniern eher nebenbei in der Schule.

Als Karlas geliebte Großmutter Maryam stirbt, stellt diese die Familie posthum vor eine Herausforderung: Sie hinterlässt einen von Hand geschmiedeten, goldenen Armreif einer Frau in Jerewan, deren Namen in der Familie niemand je gehört hat. Ãœberhaupt hat Maryam, die einst als armenische Gastarbeiterin nach Deutschland kam, nie von ihrer Vergangenheit erzählt. Auch Avi, Karlas Vater, schweigt über seine Kindheit in Istanbul und Jerusalem. Erst als Karla ihren Vater überreden kann, mit ihr nach Jerewan zu fliegen, um die Frau zu finden, die ihrer Großmutter so am Herzen lag, öffnet sich Avi und es beginnt eine Spurensuche, die nicht nur Vater und Tochter einander näherbringt, sondern beide eine Heimat entdecken lässt, die sie bislang nicht kannten.

Laura Cwiertnia erzählt diesen Roman multiperspektivisch, so dass nicht nur Karlas, sondern Avis, Maryams und auch Armines - Karlas Urgroßmutter - Sichtweisen Stück für Stück kleine Einblicke in die Familiengeschichte geben.

So deckt Laura Cwiertnia die Traumata einer Familie auf, über die niemals gesprochen wurde und die dennoch Generationen dieser und anderer Familien geprägt haben. Und sie zeigt auch voller Feingefühl und Humor, wie viel Heimat in uns wohnt, ohne es zu wissen…

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